Schlafprobleme bei Kindern mit ADHS: Nicht ins Bett wollen
Einschlafprobleme und unruhiger Schlaf sind bei Kindern mit ADHS häufig. Ursachen, Wirkung der Medikamente, Abendroutine und wann du ärztlichen Rat suchen solltest.
Türkçe okuRead in EnglishAuf Reddit teilen
Neun Uhr. Das Kind geht nicht ins Bett. Halb zehn, es beschäftigt sich immer noch mit dem Spielzeug. Zehn Uhr: Die Eltern sind erschöpft, und das Kind ist gerade erst warm geworden.
Schlafprobleme gehören zu den am häufigsten erzählten Erschöpfungen in Familien mit einem Kind mit ADHS. Und das ist nicht nur eine Frage der Erziehung. Für Erwachsene gibt es den Text ADHS und Schlaf; hier schauen wir auf die Kinderseite.
Wie häufig
Die Metaanalyse von Cortese und Kolleginnen und Kollegen zeigte, dass Schlafprobleme bei Kindern mit ADHS häufiger vorkommen als in der Kontrollgruppe. Auch die Übersichtsarbeit von Hvolby hält fest, dass dieser Zusammenhang sowohl in subjektiven (Berichte der Eltern) als auch in objektiven Messungen auftritt, dass es zwischen den Studien aber Unterschiede gibt.
Eine wichtige Anmerkung: Ein Schlafproblem kann ADHS-Symptome verstärken; ein müdes Kind ist unaufmerksamer, impulsiver, wütender. Diese beiden Themen können sich gegenseitig nähren.
Warum Schlaf schwierig wird
Mehrere Faktoren können zusammenwirken:
- Verschobene innere Uhr. Bei manchen Kindern mit ADHS verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus nach hinten; das Kind schläft abends spät ein und hat Mühe, morgens früh aufzustehen.
- Hohe Erregung. Dem Gehirn fällt es schwer, in den „Abschalt“-Modus zu wechseln; Bildschirm, Spiel und Lärm können diesen Übergang noch erschweren.
- Schwierigkeit bei Übergängen. Wenn schon der Wechsel von Aktivität zu Aktivität schwerfällt, kann der letzte Übergang des Tages, ins Bett zu gehen, der schwerste sein.
- Medikamente. Stimulanzien können bei manchen Kindern in den Abendstunden weiterwirken und das Einschlafen verzögern. Den Einnahmezeitpunkt kann man mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
- Begleitende Zustände. Angst, Restless Legs, Schlafapnoe und Schnarchen sehen ähnlich aus und werden gesondert abgeklärt.
Deshalb muss ein Schlafproblem, wenn es eines gibt, bei der ADHS-Diagnose oder der Behandlungsplanung gesondert angegangen werden. Wie diese Frage im Diagnoseprozess vorkommt: Wie wird ADHS bei Kindern diagnostiziert?.
Eine Ordnung, die zu Hause hilft
Feste Zeiten. Der Unterschied zwischen den Zeiten zum Zubettgehen und Aufstehen an Wochentagen und am Wochenende sollte klein sein. Unregelmäßigkeit verschiebt die innere Uhr noch weiter.
Vor dem Schlafen herunterfahren. Eine Stunde vor dem Schlafen die Reize verringern: das Licht dimmen, die Stimme senken, das bewegte Spiel beenden. Eine kurze Routine, die jeden Abend in derselben Reihenfolge abläuft (waschen, Zähne putzen, ein Buch), gibt dem Gehirn das Signal „Schlafenszeit“.
Bildschirm. Mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen den Bildschirm wegzulegen und das Gerät aus dem Schlafzimmer zu nehmen ist in den meisten Familien der entscheidendste Schritt. Einzelheiten stehen im Text Bildschirmzeit und ADHS bei Kindern.
Bewegung am Tag. Viel Bewegung im Tagesverlauf, besonders an der frischen Luft, erhöht abends den Schlafdruck. Der Text Sport und Bewegung gibt Einzelheiten. Intensive Bewegung unmittelbar vor dem Schlafen sollte man vermeiden.
Schlafzimmer. Kühl, dunkel und ruhig. Für manche Kinder kann ein schwaches Nachtlicht oder weißes Rauschen hilfreich sein.
Ein Bildplan vor dem Schlafen. Eine Zubettgeh-Liste mit Bildern verringert die Frage „was mache ich jetzt“ und das Verhandeln. Sie muss unbedingt gemeinsam mit dem Kind vorbereitet werden.
Das Einschlafbegleiten nicht ausdehnen. Nachts stundenlang neben dem Kind zu bleiben, damit es einschläft, löst das Problem kurzfristig, kann aber langfristig eine Abhängigkeit schaffen. Für Methoden wie das schrittweise Zurückziehen kannst du deine Ärztin oder deinen Arzt um Rat fragen.
Koffein und Essenszeit
Schon bei Kindern können koffeinhaltige Dinge wie Tee, Cola und Schokolade in den Abendstunden den Schlaf verzögern. Auch ein schweres Abendessen kann stören. Zu den Ernährungsmythen gibt es einen eigenen Text: ADHS und Ernährung bei Kindern.
Zu Melatonin und Medikamenten
Die Studie von Van der Heijden und Kolleginnen und Kollegen berichtete, dass Melatonin bei Kindern mit ADHS und Einschlafschwierigkeiten den Zeitpunkt des Einschlafens vorverlegt. Aber Melatonin verhält sich, auch wenn es ein Nahrungsergänzungsmittel ist, wie ein Medikament; Dosis, Uhrzeit und Dauer sind eine ärztliche Entscheidung. Gib es dem Kind nicht auf eigene Faust.
Wenn ein Medikament genommen wird, ist auch das Ändern der Uhrzeit oder das Absetzen eine ärztliche Entscheidung. Bei Sorgen rund um Medikamente kannst du den Text Medikamente und Körpergröße lesen.
Wann du ärztlichen Rat suchen solltest
- Wenn es Schnarchen, Atemaussetzer im Schlaf oder Mundatmung gibt
- Wenn das Kind nachts häufig und lange aufwacht
- Wenn das Schlafproblem länger als einige Wochen anhält und den Schulalltag stört
- Wenn das Kind tagsüber übermäßig schläfrig oder sehr wütend ist
- Wenn Albträume oder Nachtschrecken stark ausgeprägt sind
Dieser Text dient der Information; die Entscheidung für dein Kind liegt bei der Ärztin oder dem Arzt, die oder der es untersucht.
Häufig gestellte Fragen
- Warum schlafen Kinder mit ADHS spät ein?
- Eine nach hinten verschobene innere Uhr, hohe Erregung vor dem Zubettgehen, Schwierigkeiten bei Übergängen und die Wirkung mancher Medikamente in den Abendstunden können zusammenspielen. Bei jedem Kind gilt nicht dieselbe Ursache.
- Stört ein ADHS-Medikament den Schlaf?
- Stimulanzien können bei manchen Kindern das Einschlafen verzögern. Einnahmezeit und Art des Medikaments kann man mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen; setze das Medikament nicht auf eigene Faust ab und wechsle es nicht.
- Kann man Melatonin geben?
- Einige Studien zeigen, dass Melatonin bei Kindern mit ADHS die Einschlafzeit verkürzt. Dosis und Dauer sind aber eine ärztliche Entscheidung, du solltest es nicht auf eigene Faust geben.
- Kann Schnarchen ein Zeichen von ADHS sein?
- Schnarchen und Atemaussetzer im Schlaf können Aufmerksamkeitsprobleme und Beweglichkeit verstärken und mit ADHS verwechselt werden. Wenn es diese Anzeichen gibt, muss vor der Diagnose das Schlafproblem abgeklärt werden.